Wenn das alte Bauernhaus zum modernen Schloss wird

„Mit Deinem Haus könntest Du Dich in einer Wohnzeitschrift bewerben.“ Dorit Hauschild hat diesen Spruch schon oft von ihren Freunden gehört. Bisher hat sich die 41-Jährige dagegen immer gesträubt. Für „WohnLich“ hat sie jetzt eine Ausnahme gemacht.

Auf den ersten Blick ist es ein Dreiseit­hof wie jeder andere, doch schon auf dem zweiten Blick wird klar: Dieses Häuserensemble ist anders als die anderen. 

Einen wahren Kulturschock erwartet den Besucher, wenn er die Haustür und einen kleinen Vorraum passiert hat. Denn dann fühlt man sich nicht mehr wie in einem alten Bauernhaus, sondern eher wie in einem neuen Schloss. Der Blick reicht von unten bis zum Dach, eine über Eck laufende Treppe führt in die oberen Räume. Natürlich will man als Besucher sofort die Treppe nach oben gehen, da fällt der Blick in die offene Küche mit seinem ganz besonderen Arbeitsbereich. Das Design kommt einem bekannt vor, es erinnert an die Regale, die Millionenfach in deutschen Hobbyräumen stehen, doch in diesem Fall ist die Verarbeitung stylischer, edler. „Die Rahmen habe ich aus einem Baumarkt, sie dienten früher einmal als Halterung für Fliesen. Die Arbeitsplatte ist eine Multiplexplatte, bei den Schubladen habe ich ein Standardmodell von Ikea erweitert“, sagt Dorit Hauschild. Ihr gehört der mehr als 320 Quadratmeter große Wohntraum am Stadtrand von Chemnitz.  Das Refugium besteht aus drei Gebäuden. Ein Haus hat sie für sich selbst umgebaut, im zweiten wohnen ihre Eltern, im dritten zwei Mietparteien, die auch einen Anteil des großen Gartens für sich nutzen können.

2009 erwarb sie den Dreiseithof. „Eigentlich war ich auf der Suche nach Räumlichkeiten, in der ich meine Metallwerkstatt unterbringen kann“, sagt die 41-Jährige. Die Chemnitzerin hat sich in der Vergangenheit mit ihren kunstvollen Metallinstallationen einen Namen gemacht. „Leider kann ich davon nicht leben. Ich habe jetzt einen anderen Job, der mehr Geld bringt. Ich hoffe aber, bald wieder in Chemnitz etwas adäquates zu finden“, sagt sie mit Blick auf die noch winterlich kargen Felder vor ihrem Haus. Hier in der Küche ist ihr Lieblingsplatz. „Ich koche gern, weshalb wir uns auch immer Freunde zum Essen einladen. Dann sitzen wir hier in der Küche zusammen“, sagt Dorit Hauschild.

Die Küchenfenster stehen auch für die Lebenseinstellung der Chemnitzerin: „Ich bin eigentlich ein sparsamer Mensch. Wenn ich irgendwo günstig etwas bekommen kann, versuche ich mir zu überlegen, wie ich das in mein Haus integrieren kann. Ein gutes Beispiel sind die Fenster, die bei einem Umbau aussortiert wurden. Die Fenster sind zwar nur zweifach verglast, aber dafür hat mich das Stück auch nur 30 Euro gekostet.“ Ihrer Sparsamkeit ist es auch zu verdanken, dass sie sich den Hauskauf ohne Kredit leisten konnte. Sie wusste, dass sie eines Tages ein Haus haben möchte und hat sich deshalb jahrelang etwas zur Seite gelegt. 

Dass es keinesfalls von Nachteil ist, wenn handwerkliches Geschick auf Sparsamkeit trifft, zeigt die Inneneinrichtung von Dorit Hauschild: Kaum etwas ist von der Stange: Der Kleider- und der Schuhschrank aus nicht mehr genutzten hölzerne Getränkekisten, das Bett eigenhändig zusammengeschweißt, die Türen aus Brettern selbst zusammengebaut. Dorit Hauschild hat in ihrem Haus vieles selbst gemacht. „Die großen Türen waren immer mein Traum. Im Handel habe ich sie nicht bekommen, deshalb habe ich mir selbst welche angefertigt“, sagt sie. In der unteren Etage finden sich nur Türen Marke Eigenbau, in der oberen Etage griff sie dagegen auf handelsübliche Modelle zurück. „Mein Freund ist Musiker, hat sich hier im Haus einen kleinen Proberaum eingerichtet. Er bestand auf richtige Türen, um ungestört Proben zu können. Bei meinen Türen hätte man jedes Geräusch gehört. Das hat mich überzeugt.“

Der kleine Proberaum im Obergeschoss befindet sich auf einer Ebene mit  Wohn-, Gäste- und Arbeitszimmer. Der Clou ist aber das Bad, in dem die Gäste auf Holzbohlen stehend die Dusche genießen können. Bodenlos ist auch die Dusche im Erdgeschoss. Aus der teilweise im Boden versenkten Badewanne lässt sich durch zwei große Fenster die Landschaft genießen.

Viel Zeit zum Genießen hat Dorit Hauschild freilich nicht. In der Kleiderkammer ist noch nicht alles so perfekt, wie es sich die 41-Jährige vorstellt, und vor den Küchenfenstern wartet schon das nächste Projekt: die Terrasse. „Mein Traum ist es, dass man von der Terrasse in einen Pool gehen kann. Und vielleicht gibt es eines Tages auch noch ein kleines Saunahäuschen dazu“, sagt sie lachend. Wer gesehen hat, was die Chemnitzerin in den vergangenen Jahren geschaffen hat, der kommt ziemlich schnell zu der Überzeugung, dass der Traum nicht mehr lange ein solcher bleiben wird.